Warum Korsika keine typischen Großstädte hat
Korsika ist mit rund 8.700 Quadratkilometern größer als Zypern, hat aber nur zwei Städte über 20.000 Einwohner. Ajaccio kommt auf rund 76.300, Bastia auf rund 46.900 Einwohner. Danach klafft eine große Lücke: Porto-Vecchio als Nummer drei liegt bei rund 11.200. Alle weiteren Orte sind nach mitteleuropäischem Maßstab Kleinstädte oder Dörfer.
Der Grund liegt in der Geografie. Ein Gebirgsrücken zieht sich diagonal über die gesamte Insel und erreichte im Monte Cinto über 2.700 Meter. Größere Siedlungen konnten nur an der Küste und in wenigen Talkesseln entstehen. Für Reisende ist das ein Vorteil: Selbst die größte Stadt der Insel lässt sich zu Fuß erkunden, und von jeder Stadt aus ist man in kurzer Zeit in der Natur.
Hafenstadt auf Korsika: welche ist die richtige?
Wer eine Hafenstadt sucht, hat auf Korsika die Wahl zwischen sehr unterschiedlichen Typen. Bastia ist die einzige, die sich wie eine echte Arbeitsstadt anfühlt: Der Alte Hafen ist umgeben von hohen, teils verwitterten Fassaden, und im Rest der Stadt geht der korsische Alltag weiter, ob Hochsaison oder nicht. Wer Kulisse sucht, ist hier falsch, wer Authentizität sucht, genau richtig.
Ajaccio ist das Gegenteil: großzügig angelegt, mit Palmenboulevard, Museen und der größten Markthalle der Insel. Bonifacio wiederum ist die spektakulärste Hafenstadt, weil die Altstadt auf weißen Kalkklippen direkt über dem Meer sitzt. Calvi kombiniert eine genuesische Zitadelle mit einem sechs Kilometer langen Sandstrand direkt vor der Stadt. Île-Rousse und Propriano sind die kompakten, unaufgeregten Varianten, Saint-Florent die kleinste und eleganteste.
Corte: die Stadt, die nicht am Meer liegt
Corte ist der Sonderfall unter Korsikas Städten. Mit rund 7.800 Einwohnern liegt sie mitten im Gebirge, etwa gleich weit von Bastia und Ajaccio entfernt. Historisch ist sie die wichtigste Stadt der Insel: Pascal Paoli machte sie im 18. Jahrhundert zur Hauptstadt der unabhängigen korsischen Republik und gründete hier eine Universität.
Die Università di Corsica gibt es seit 1981 wieder, und sie prägt den Ort spürbar. Wer Korsika nicht nur als Badeziel erleben will, kommt an Corte kaum vorbei: Die Zitadelle beherbergt das Museum der Korsika, und direkt hinter der Stadt beginnen die Restonica- und die Tavignano-Schlucht mit einigen der bekanntesten Wanderungen der Insel.
Städte als Basis: wie viele Standorte braucht eine Korsika-Reise?
Die Insel ist kleiner, als sie sich anfühlt. Luftlinie sind es von Bastia nach Bonifacio nur rund 150 Kilometer, auf der Straße dauert dieselbe Strecke aber gut drei Stunden. Kurvige Bergstraßen drücken die Durchschnittsgeschwindigkeit deutlich, weshalb ein einziger Standort für die ganze Insel selten funktioniert.
Für eine Woche bewähren sich zwei Standorte, meist einer im Norden und einer im Süden. Für zwei Wochen sind drei sinnvoll, etwa Balagne, Westküste und Südosten. Wer das Bergland mitnehmen will, schiebt Corte als Zwischenstopp ein. Unsere 7-Tage-Route zeigt eine erprobte Aufteilung, und die Regionsseiten helfen bei der Feinauswahl.