Warum Korsikas Geschichte bis heute spürbar ist
Kaum eine andere Mittelmeerinsel hat in so kurzer Folge so viele Herren gesehen: Phokäer, Etrusker, Karthager, Römer, Pisaner, Genuesen und schließlich Franzosen. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen - von den Statuenmenhiren in Filitosa über die römischen Ausgrabungen in Aléria bis zu den unzähligen runden Genuesentürmen, die noch heute die Küste von Capo Corse bis Bonifacio säumen. Diese Schichtung macht eine Korsika-Reise auch zu einer Zeitreise.
Besonders prägend bleibt die kurze, aber einflussreiche Phase der Korsischen Republik unter Pasquale Paoli. Die Verfassung von 1755, die Hauptstadt Corte und die 1765 gegründete Universität stehen für ein frühes, von der Aufklärung getragenes Selbstverständnis, das die korsische Identität bis in die heutige Autonomiedebatte prägt. Dass nur Monate nach der französischen Annexion mit Napoleon in Ajaccio einer der einflussreichsten Europäer der Neuzeit geboren wurde, verleiht der Inselgeschichte zusätzlich weltpolitisches Gewicht.