🎶 Korsische Kultur

Korsische Musik & Polyphonie

Wenige Klänge gehen so unter die Haut wie der mehrstimmige A-cappella-Gesang Korsikas. Der Cantu in paghjella zählt seit 2009 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe, und in den Dorfkirchen der Balagne, bei Festivals in Calvi und Pigna sowie bei sakralen Prozessionen lebt diese Tradition bis heute weiter. Hier erfährst du, wie die Polyphonie aufgebaut ist, wo du sie live erlebst und welche Instrumente, Gruppen und Bräuche dazugehören.

Was die korsische Musik ausmacht

Von der dreistimmigen Paghjella über improvisierte Sängerwettstreite bis zu den Bruderschaften der Karwoche: ein Überblick über die Bausteine einer der lebendigsten Klangtraditionen des Mittelmeers.

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Cantu in paghjella

Der dreistimmige A-cappella-Männergesang verbindet a segonda (Hauptmelodie), u bassu (Fundament) und a terza (höchste, verzierende Stimme). Charakteristisch ist ein starker Halleffekt. Seit 2009 immaterielles UNESCO-Kulturerbe der dringend zu erhaltenden Traditionen.

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Die prägenden Gruppen

Canta u Populu Corsu (gegründet 1973) belebte den korsischsprachigen Gesang wieder. I Muvrini der Brüder Bernardini (Debüt 1979) wurde international bekannt, A Filetta (1978, der Farn) komponierte auch Filmmusiken.

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Traditionelle Instrumente

Die Cetera ist ein Cister mit acht Doppelchören aus Metallsaiten und kristallklarem Klang. Dazu kommen Hirten-Blasinstrumente: Pivana (Ziegenhorn-Flöte), Pirula (Schilfrohrflöte) und Cialamella (Rohrblattinstrument der Schalmei-Familie).

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Chjami è rispondi

Ein improvisierter Sängerwettstreit auf Korsisch: Zwei oder mehr Improvisatoren bauen spontan gereimte Strophen zu einem Thema. Feste Metrik aus Dreizeilern zu 16 Silben. Ursprünglich von Hirten gepflegt, lobend oder spöttisch.

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Festivals der Polyphonie

Die Rencontres de Chants Polyphoniques de Calvi (seit 1989, jeden September) in der Kathedrale Saint-Jean-Baptiste laden Ensembles aus aller Welt ein. Das Festivoce in Pigna (Mitte Juli) bringt über 45 Künstler in rund 30 Konzerten zusammen.

Sakraler Gesang & Karwoche

Die Bruderschaften (Cunfraternite) tragen den sakralen Gesang, etwa das Salve Regina. Höhepunkt ist der Catenacciu von Sartène am Karfreitagabend, die älteste Prozession Korsikas mit dem rot vermummten Angeketteten.

Pigna und die Balagne: das ganzjährige Herz der Polyphonie

Während viele Klänge an Festivaltermine gebunden sind, schlägt das Herz der korsischen Polyphonie das ganze Jahr über in der Balagne im Nordwesten der Insel. Im Künstlerdorf Pigna wurde 1978 das Ensemble A Cumpagnia gegründet, das sakrales wie weltliches polyphones Repertoire pflegt. Das Dorf besitzt ein Auditorium und ist Residenzort für Künstler. Träger des Stimm-Festivals Festivoce ist das Zentrum VOCE (Centre National de Création Musicale) mit Sitz in Pigna, das das größte Archiv traditioneller korsischer Musik unterhält.

Für Besucher sind die malerischen Balagne-Dörfer Pigna und Sant'Antonino verlässliche Orte für authentische Konzerte, ergänzt um die nahe Hafenstadt Calvi. Im Sommer erklingen die Gesänge zudem in vielen Dorfkirchen der ganzen Insel. Wer die Polyphonie nicht nur als Aufnahme, sondern im Originalklang erleben möchte, fährt also am besten in die Balagne. Die Region ist über die Flughäfen Calvi-Sainte-Catherine und Bastia gut erreichbar.

Praxistipps für dein Konzert-Erlebnis

📅 Sommer ist Hochsaison

Zwischen Juli und September gibt es die meisten Konzerte. Festivoce in Pigna fällt auf Mitte Juli, die Rencontres Polyphoniques in Calvi auf den September. Plane Termine im Voraus.

🤫 In Kirchen Respekt wahren

Viele Konzerte finden in Dorfkirchen statt und dauern rund 1 bis 1,5 Stunden. Angemessene Kleidung und Ruhe sind selbstverständlich, Fotografieren ist teils unerwünscht.

🕯️ Catenacciu früh planen

Die Bußprozession am Karfreitag in Sartène ist ein religiöses Ereignis, kein Spektakel. Der Ort ist dann sehr voll, eine frühzeitige Anreise oder Übernachtung lohnt sich.

Häufige Fragen

Was bedeutet Paghjella und wie ist sie aufgebaut?

Paghjella ist ein traditioneller korsischer Männergesang mit drei Stimmen: a segonda führt die Hauptmelodie, u bassu bildet das stützende Fundament, a terza setzt die höchste, verzierte Stimme darüber. Gesungen wird a cappella, oft mit ausgeprägtem Halleffekt. Seit 2009 zählt der Cantu in paghjella zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe auf der Liste der dringend zu erhaltenden Traditionen.

Wo kann ich als Besucher korsische Polyphonie live hören?

Am verlässlichsten in den Dorfkirchen der Balagne, etwa in Pigna und Sant'Antonino, sowie in Calvi. Große Termine sind das Festivoce in Pigna Mitte Juli und die Rencontres de Chants Polyphoniques de Calvi im September. Im Sommer finden in vielen Inselkirchen Konzerte statt; das Künstlerdorf Pigna mit seinem Auditorium und dem Zentrum VOCE ist das ganzjährige Herz der Szene.

Welche traditionellen Instrumente gehören zur korsischen Musik?

Das bekannteste ist die Cetera, ein Cister mit acht Doppelchören aus Metallsaiten. Dazu kommen Hirten-Blasinstrumente: die Pivana (Flöte aus Ziegenhorn), die Pirula (Schilfrohrflöte) und die Cialamella (ein kräftiges Rohrblattinstrument aus der Schalmei-Familie). Die Blasinstrumente verschwanden im 20. Jahrhundert fast und werden heute wiederbelebt.

Was ist der Catenacciu von Sartène?

Eine nächtliche Bußprozession am Karfreitagabend in Sartène, die Christi Weg nach Golgota nachstellt. Ein rot gekleideter, vermummter Büßer (Catenacciu, der Angekettete) schleppt ein schweres Kreuz und eine Fußkette, begleitet von einem weißen und acht schwarzen Büßern. Es ist die älteste Prozession Korsikas, getragen von den Bruderschaften, die dabei traditionelle sakrale Gesänge der Karwoche singen.

Welche Gruppen haben die korsische Polyphonie geprägt?

Drei Ensembles stehen für die Renaissance: Canta u Populu Corsu (gegründet 1973, der Name bedeutet das korsische Volk singt) war Wegbereiter der Wiederbelebung des korsischsprachigen Gesangs. I Muvrini der Brüder Alain und Jean-François Bernardini (Debütalbum Ti ringrazianu 1979) wurde zur international bekanntesten korsischen Gruppe. A Filetta (gegründet 1978, der Name bedeutet der Farn) komponierte auch Filmmusiken.

Was ist Chjami è rispondi?

Ein a cappella gesungener, improvisierter Sängerwettstreit auf Korsisch, bei dem zwei oder mehr Improvisatoren spontan gereimte Strophen zu einem vorgegebenen Thema bauen. Die Metrik ist fest: Strophen aus drei Versen zu 16 Silben. Ursprünglich von Hirten gepflegt, lobend oder spöttisch, bei Festen, Märkten und Feiern. Die Tradition ist im französischen Inventar des immateriellen Kulturerbes erfasst.

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