🏛️ Geschichte & Archäologie

Historische & archäologische Stätten auf Korsika

Von bronzezeitlichen Statuen-Menhiren über die antike Griechenstadt Aléria bis zu den genuesischen Wachtürmen entlang der Küste: Korsika erzählt seine Geschichte in Stein. Dieser Überblick führt dich zu den wichtigsten prähistorischen und historischen Stätten der Insel, mit konkreten Tipps zu Anfahrt, Saison und Eintritt.

Die wichtigsten Stätten im Überblick

Sechs Orte, an denen sich Korsikas Vergangenheit besonders eindrucksvoll zeigt, von der Bronzezeit bis zur genuesischen Herrschaft.

Filitosa: das prähistorische Aushängeschild
Golf von Valinco

Freilichtmuseum mit den berühmten Statuen-Menhiren der Bronzezeit. Besiedelt seit dem 6. Jahrtausend v. Chr.; rund 70 Statuen-Menhire sind dokumentiert, die kunstvollsten mit eingemeißelten Schwertern und Dolchen. Liegt in der Gemeinde Sollacaro, etwa 20 km nördlich von Propriano. Privatgelände der Familie Cesari, Eintritt zwingend.

Cucuruzzu & Capula: Bronzezeit im Granitchaos
Alta Rocca

Cucuruzzu, 1959 von Roger Grosjean entdeckt, ist eine der seltenen befestigten Höhensiedlungen (casteddi) der Bronzezeit. Das benachbarte Capula war von der Torreaner-Zeit bis ins Mittelalter bewohnt; dort steht der verwitterte Statuen-Menhir Capula I mit langem Schwert. Ein Rundweg verbindet beide Stätten, Funde zeigt das Musée de l'Alta Rocca in Levie.

Plateau de Cauria: das Megalith-Trio
Sartenais

Drei Hauptstätten etwa 10 km südlich von Sartène: das Alignement d'I Stantari mit ausgearbeiteten Statuen-Menhiren, das Alignement de Palaghju als größte Menhir-Konzentration Korsikas und der Dolmen de Fontanaccia, der besterhaltene Dolmen der Insel. Frei zugänglich, kein Eintritt, nur über Wanderwege erreichbar.

Aléria: die römische Stadt
Ostküste

Die älteste Stadt Korsikas, im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Phokäern als Alalia gegründet, später römisch und einstige Hauptstadt der Insel. Zu sehen sind die römische Grabungszone und das Musée d'Archéologie Jérôme Carcopino mit griechischen, etruskischen, punischen und römischen Funden.

Genuesische Küstentürme
Torregiana

Überwiegend zwischen 1510 und 1620 unter der genuesischen Bank San Giorgio errichtet, als Schutz gegen Überfälle von Korsaren. Heute sind noch rund 67 bis 68 Türme erhalten, meist rund und 12 bis 17 m hoch. Die höchste Dichte findest du am Cap Corse; nachts hielten die Wächter per Feuersignal Kontakt zum Nachbarturm.

La Canonica: pisanische Romanik
bei Bastia

Die ehemalige Kathedrale des Bistums Mariana bei Lucciana wurde 1119 geweiht und gilt als Meisterwerk der pisanischen Romanik. Errichtet aus hellem Cipollin-Stein auf den Resten einer frühchristlichen Basilika, daneben die Grabungsfläche der römischen Kolonie Mariana. Verwandt: die grün-weiße Kirche San Michele de Murato.

Vier Epochen in Stein: Korsikas Geschichte vor Ort

Kaum eine Mittelmeerinsel macht ihre Vergangenheit so greifbar wie Korsika. In Filitosa beginnt die Reise im 6. Jahrtausend v. Chr.: Ab etwa 3500 v. Chr. errichteten Megalithiker ihre Steinstelen, ab rund 1600 v. Chr. kamen die Torreaner mit ihren turmartigen Bauten (torre) hinzu und verwendeten manche der älteren Statuen-Menhire sogar als Baumaterial. Diese Überlagerung macht Filitosa zur Schlüsselstätte für das Verständnis des korsischen Kulturwechsels. Die kunstvollsten Menhire mit eingemeißelten Waffen datieren etwa 1300 bis 800 v. Chr.

Mit Aléria betritt man die Antike: Die Stadt wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Phokäern gegründet, war später punisch und etruskisch beeinflusst und ab 259 v. Chr. römisch. Das Museum Carcopino ist im Fort Matra untergebracht, das die Genuesen zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert errichteten, also direkt neben der antiken Grabungsfläche. Genau diese Schichtung zieht sich durch die ganze Insel: genuesische Zitadellen in Calvi, Bastia und Bonifacio, die einzige Binnen-Zitadelle in Corte mit ihrem Bezug zu Pascal Paoli und die pisanische Romanik von La Canonica. Statuen-Menhire bleiben dabei ein Alleinstellungsmerkmal Korsikas im gesamten Mittelmeerraum.

Praxistipps für deinen Besuch

📅 Saison und Preise vorab prüfen

Filitosa ist etwa von Anfang April bis Anfang November geöffnet, täglich ab 9 Uhr bis rund eine Stunde vor Sonnenuntergang. Saisonende und Eintrittspreise schwanken je nach Quelle, prüfe sie deshalb vor der Anreise auf den offiziellen Seiten.

🥾 Für Cauria gut ausrüsten

Die Megalithen auf dem Plateau de Cauria liegen ohne Infrastruktur in der freien Landschaft. Nimm Wasser und Sonnenschutz mit, trage festes Schuhwerk und beachte im Hochsommer die Maquis-Brandgefahr. Nichts berühren oder entfernen.

⏱️ Zeit realistisch einplanen

Für Filitosa solltest du rund 1,5 Stunden einplanen, für den Rundweg Cucuruzzu und Capula etwa 1,5 bis 2 Stunden. Für Cucuruzzu gibt es einen Audioguide mit 17 Stationen, der die Höhensiedlung gut erschließt.

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Häufige Fragen

Was sind Statuen-Menhire und wo sieht man sie am besten?

Statuen-Menhire sind aufrecht stehende Steinstelen, in die menschliche Züge und teils Waffen wie Schwerter und Dolche eingearbeitet wurden, auf Korsika Stantari genannt. Die berühmtesten stehen in Filitosa im Golf von Valinco. Weitere findest du auf dem Plateau de Cauria mit dem Alignement d'I Stantari und bei Capula mit der Statue Capula I.

Wer waren die Torreaner und was hat es mit Filitosa auf sich?

Die Torreaner waren eine bronzezeitliche Kultur, auf Korsika ab etwa 1600 v. Chr., benannt nach ihren turmartigen Steinbauten (torre). In Filitosa überlagern sich ihre Bauten mit den älteren Statuen-Menhiren, manche wurden von den Torreanern sogar als Baumaterial wiederverwendet. Deshalb gilt Filitosa als Schlüsselstätte zum Verständnis dieses Kulturwechsels.

Welche Stätte zeigt das antike, griechisch-römische Korsika?

Das ist Aléria an der Ostküste, die älteste Stadt der Insel. Sie wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Phokäern gegründet und war später römische Hauptstadt. Sehenswert sind die Grabungszone und das Musée Jérôme Carcopino im genuesischen Fort Matra mit griechischen, etruskischen, punischen und römischen Funden.

Was macht La Canonica besonders?

La Canonica bei Lucciana nahe Bastia ist eine ehemalige Kathedrale, 1119 geweiht, und das herausragende Beispiel pisanischer Romanik auf Korsika. Sie steht auf den Fundamenten der römischen Kolonie Mariana und zeigt den hellen, fein gefügten Steinbaustil des 12. Jahrhunderts. Ein verwandter pisanischer Bau ist San Michele de Murato mit seinem markanten grün-weißen Mauerwerk.

Kosten die archäologischen Stätten Eintritt?

Das ist unterschiedlich. Die Megalithen auf dem Plateau de Cauria sind frei zugänglich und kostenlos. Filitosa, Cucuruzzu und Capula sowie das Museum in Aléria verlangen dagegen Eintritt, da es sich um erschlossene Stätten beziehungsweise Privatgelände handelt. Die genauen Preise solltest du vor dem Besuch verifizieren, da sie variieren können.

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