Vier Epochen in Stein: Korsikas Geschichte vor Ort
Kaum eine Mittelmeerinsel macht ihre Vergangenheit so greifbar wie Korsika. In Filitosa beginnt die Reise im 6. Jahrtausend v. Chr.: Ab etwa 3500 v. Chr. errichteten Megalithiker ihre Steinstelen, ab rund 1600 v. Chr. kamen die Torreaner mit ihren turmartigen Bauten (torre) hinzu und verwendeten manche der älteren Statuen-Menhire sogar als Baumaterial. Diese Überlagerung macht Filitosa zur Schlüsselstätte für das Verständnis des korsischen Kulturwechsels. Die kunstvollsten Menhire mit eingemeißelten Waffen datieren etwa 1300 bis 800 v. Chr.
Mit Aléria betritt man die Antike: Die Stadt wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Phokäern gegründet, war später punisch und etruskisch beeinflusst und ab 259 v. Chr. römisch. Das Museum Carcopino ist im Fort Matra untergebracht, das die Genuesen zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert errichteten, also direkt neben der antiken Grabungsfläche. Genau diese Schichtung zieht sich durch die ganze Insel: genuesische Zitadellen in Calvi, Bastia und Bonifacio, die einzige Binnen-Zitadelle in Corte mit ihrem Bezug zu Pascal Paoli und die pisanische Romanik von La Canonica. Statuen-Menhire bleiben dabei ein Alleinstellungsmerkmal Korsikas im gesamten Mittelmeerraum.