Korsikas Ruf gründet auf Stränden und türkisem Wasser, doch ein großer Teil der Insel ist Gebirge. In den Bergen liegen Dörfer, die teils Jahrhunderte alt sind, aus dem Granit der Umgebung gebaut und oft an steile Hänge geklebt. Wer Korsika über die Küste hinaus verstehen will, sollte ein paar davon besuchen. Hier sind fünf besonders sehenswerte, mit praktischen Hinweisen für die Anreise.
Sant Antonino und Pigna in der Balagne
In der Balagne im Nordwesten liegen die beiden Dörfer dicht beieinander, gut erreichbar von Calvi oder L’Île-Rousse aus. Sant Antonino zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten Dörfern Korsikas und thront auf einem Felsrücken mit weitem Blick über das Hinterland bis zum Meer. Die Gassen sind so eng und verwinkelt, dass der Ort autofrei ist, man parkt unten und steigt zu Fuß hinauf.
Pigna ist als Künstler- und Handwerkerdorf bekannt. Hier finden sich Werkstätten, Instrumentenbauer und kleine Läden, dazu eine lebendige Musikszene, die korsische Polyphonie pflegt. Beide Dörfer lassen sich an einem halben Tag gut verbinden, idealerweise mit einem Stopp bei einem der Olivenöl- oder Käseproduzenten der Region.
Nonza am Cap Corse
Nonza liegt an der Westküste des Cap Corse, der schmalen Halbinsel im Norden. Das Dorf klebt an einer Klippe hoch über dem Meer, überragt von einem alten Wehrturm aus der Zeit der genuesischen Herrschaft. Bekannt ist Nonza für seinen Strand weit unten am Fuß der Klippe: Er besteht aus dunklem, fast schwarzem Kies, ein Erbe einer ehemaligen Asbestmine in der Nähe. Der Abstieg über die Treppe ist steil, der Aufstieg entsprechend schweißtreibend.
Vom Dorfplatz und vom Turm aus hat man einen weiten Blick über den Golf von Saint-Florent. Nonza ist klein, eignet sich aber gut als Etappe auf einer Rundfahrt um das Cap Corse.
Sartène im Süden
Sartène im Süden der Insel wird oft als das korsischste aller Dörfer bezeichnet, ein Zitat, das dem Schriftsteller Prosper Mérimée zugeschrieben wird. Die hohen Granithäuser stehen dicht gedrängt, dunkel und wehrhaft, durchzogen von Treppen, Torbögen und schmalen Durchgängen. Der zentrale Platz Place Porta ist der Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Altstadt mit ihrem mittelalterlichen Viertel Santa Anna.
Bekannt ist Sartène auch für die Karfreitagsprozession Catenacciu, eine der eindrücklichsten religiösen Traditionen Korsikas. Die Umgebung gehört zu einer guten Weinregion, was sich gut mit einem Besuch verbinden lässt.
Corte im Herzen der Insel
Corte ist weniger Dorf als kleine Stadt und gilt als historisches und geistiges Zentrum Korsikas. Im 18. Jahrhundert war der Ort unter Pasquale Paoli kurzzeitig Hauptstadt der unabhängigen korsischen Republik. Hoch über der Altstadt thront die Zitadelle auf einem Felsen, von dem aus man Stadt und Berge überblickt. Heute beherbergt sie das Museum der Korsika, das einen guten Einstieg in die Geschichte und Kultur der Insel bietet.
Corte ist außerdem Universitätsstadt, was dem Ort eine lebendige, junge Atmosphäre verleiht. Für Wanderer ist die Stadt ein praktischer Ausgangspunkt: Die nahen Schluchten der Restonica und der Tavignano gehören zu den schönsten Tälern Korsikas.
Granit, Geschichte und ein Tipp zur Anreise
Was diese Orte verbindet, ist das Baumaterial: Granit aus der unmittelbaren Umgebung. Die dunklen Steinhäuser, die wehrhaften Türme und die engen Gassen sind kein Zufall, sondern eine Antwort auf Korsikas Geschichte aus Piraterie, fremder Herrschaft und Selbstbehauptung. Viele Dörfer wurden bewusst in der Höhe und im Landesinneren angelegt, fernab der gefährdeten Küste.
Praktisch heißt das: Plane für die Bergstraßen mehr Zeit ein, als die Kilometerzahl vermuten lässt. Die Strecken sind kurvig und teils einspurig. Ein Mietwagen ist für die Erkundung der Bergdörfer fast unverzichtbar, da der öffentliche Nahverkehr im Inselinneren begrenzt ist. Wer Küste und Berge kombiniert, bekommt das vollständigere Bild von Korsika.
Häufige Fragen
Welches Bergdorf eignet sich am besten für einen ersten Besuch?
Für Einsteiger ist Sant Antonino in der Balagne praktisch, weil es nah an der Küste bei Calvi und L'Île-Rousse liegt und sich gut mit Pigna kombinieren lässt. Wer eher Stadt und Kultur sucht, fährt nach Corte ins Inselinnere.
Kann man die Bergdörfer mit dem Auto erreichen?
Ja, fast alle hier genannten Orte sind über kurvige Bergstraßen mit dem Auto erreichbar. In den Dörfern selbst sind die Gassen oft sehr eng oder autofrei, deshalb parkt man meist am Ortsrand und geht zu Fuß weiter.