Wandern

GR20: Alles, was du vor dem Start wissen musst

✍️ Redaktion Korsika Aktuell·21. Mai 2026·7 Min. Lesezeit

Der GR20 durchquert Korsika auf der Gebirgskette von Calenzana im Nordwesten bis Conca im Südosten. Er gilt als einer der anspruchsvollsten markierten Fernwanderwege Europas. Das liegt weniger an der Distanz als am Gelände: viel loser Fels, ausgesetzte Passagen, Kletterstellen mit Ketten und täglich mehrere hundert Höhenmeter im Auf und Ab. Wer den Weg gehen will, sollte trittsicher, schwindelfrei und gut trainiert sein.

Etappen, Nord und Süd

Der GR20 wird klassisch in rund 16 Etappen unterteilt, auf etwa 180 Kilometern. Er teilt sich in zwei sehr unterschiedliche Hälften. Der Nordteil zwischen Calenzana und Vizzavona ist der härtere Abschnitt: mehr Fels, mehr Kletterei, längere und steilere Etappen. Hier liegen bekannte Passagen wie der Cirque de la Solitude (heute über eine alternative Route umgangen) und der Aufstieg zur Bocca di Stagnu.

Der Südteil von Vizzavona bis Conca ist landschaftlich sanfter, mit mehr Wald und etwas leichteren Etappen, bleibt aber konditionell fordernd. Viele, die nicht den ganzen Weg gehen wollen, wählen den Süden als Einstieg. Vizzavona ist mit der Bahn erreichbar und teilt den Weg praktischerweise in zwei Hälften, die sich auch einzeln gehen lassen.

Die meisten Wanderer starten im Norden in Calenzana und gehen Richtung Süden. Beide Richtungen sind möglich, die Markierung mit rot-weißen Streifen ist in beide Richtungen vorhanden.

Wie schwierig ist der Weg wirklich

Der GR20 ist kein einfacher Hüttentrek. Die Etappen dauern meist 6 bis 9 Stunden reine Gehzeit, oft über grobes Geröll und Granitplatten. Einige Stellen sind mit Ketten oder Eisentritten gesichert. Bei Nässe wird der Fels rutschig, und im Hochgebirge kann das Wetter auch im Sommer schnell umschlagen, mit Gewittern am Nachmittag.

Realistisch braucht man eine gute Grundkondition, Erfahrung im weglosen oder ausgesetzten Gelände und keine Höhenangst. Wer unsicher ist, kann mit einzelnen Etappen im Süden testen, ob das Gelände passt. Notausstiege gibt es an mehreren Punkten, etwa in Vizzavona, Bavella oder über Talorte unterhalb der Hütten.

Ausrüstung

Beim GR20 zählt geringes Gewicht. Empfehlenswert ist ein Rucksack um 8 bis 12 Kilogramm. Wichtig sind feste, eingelaufene Wanderschuhe mit gutem Profil, Regen- und Windschutz, eine warme Schicht für die Höhe und genug Trinkkapazität. An vielen Hütten gibt es Wasser, aber die Abstände zwischen den Quellen können lang sein.

Wer in den Refuges schläft, braucht meist einen eigenen Schlafsack, da nur Matratzen gestellt werden. Wer zeltet oder im Biwakbereich der Hütten übernachtet, trägt entsprechend mehr. Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set, Sonnenschutz und Trekkingstöcke gehören ebenfalls ins Gepäck. Verpflegung lässt sich teilweise an den Hütten ergänzen, aber das Angebot ist begrenzt und teurer als im Tal.

Hütten buchen und Übernachtung

Entlang des GR20 liegen die Refuges des Parc naturel régional de Corse. Schlafplätze werden über das offizielle Online-Buchungssystem des Parks reserviert. In der Hauptsaison solltest du früh buchen, beliebte Etappen sind oft Monate im Voraus belegt.

Wer flexibler unterwegs sein will, kann an vielen Hütten auf ausgewiesenen Flächen zelten oder biwakieren, gegen Gebühr und nur im Bereich der Hütte. Wildes Zelten außerhalb dieser Zonen ist im Naturpark nicht gestattet. An den meisten Refuges gibt es einfache Mahlzeiten und einen kleinen Verkauf, planbar ist das aber nicht überall.

Beste Zeit: Juni bis September

Das Wanderfenster für den GR20 liegt im Wesentlichen zwischen Juni und September. Vor Juni kann auf den höheren Passagen noch Altschnee liegen, der die Begehung erschwert oder gefährlich macht. Ab Oktober schließen viele Hütten und das Wetter wird unbeständig.

Hochsommer im Juli und August bedeutet stabileres Wetter, aber auch volle Hütten und Hitze in den tieferen Abschnitten. Wer es ruhiger mag, wählt den Juni oder den September. Unabhängig vom Monat gilt: Den Wetterbericht täglich prüfen, früh starten und bei aufziehenden Gewittern exponierte Grate meiden.

Der GR20 ist eine ernsthafte alpine Unternehmung, kein Spaziergang. Mit guter Vorbereitung, passender Ausrüstung und rechtzeitiger Hüttenbuchung ist er aber für trainierte Bergwanderer eines der eindrucksvollsten Erlebnisse, die Korsika zu bieten hat.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der komplette GR20?

Die klassische Variante umfasst rund 180 Kilometer und etwa 16 Etappen. Geübte Wanderer brauchen meist 13 bis 16 Tage, Trailrunner deutlich weniger. Wer nur den Nord- oder Südteil geht, sollte 6 bis 9 Tage einplanen.

Muss man die Hütten vorab buchen?

Ja. Schlafplätze in den Refuges des Parc naturel régional de Corse werden online über das offizielle Buchungssystem reserviert, oft Monate im Voraus. In der Hochsaison sind beliebte Etappen schnell ausgebucht.

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